• Haltungsfragen

    Geburtstag feiern

    Wenn ein Kind Geburtstag hat, feiern wir das natürlich auch in der Schule. Allerdings war für mich immer wichtig, dass die Feierlichkeit in einem angemessenen Rahmen bleibt und auch keine ganze Unterrichtsstunde in Anspruch nimmt.

    Natürlich bekommt man als Lehrkraft oft auch mit, dass bei manchen Kindern zuhause der Geburtstag weniger „schön“ (z.B. ohne Lied, Kerzen, Kuchen oder Geschenke) gefeiert wird, aber ich finde, dass die Schule hier nicht die Aufgabe hat, das auszugleichen. Ich backe also keinen Kuchen und schenke dem Kind auch nichts Physisches und dennoch versuche ich, dass es einen besonderen Tag in der Klasse hat. Wie genau ich vorgehe und was dahintersteckt, verrate ich dir jetzt.

    So feiere ich den Geburtstag in meiner Klasse:

    1) Hut aussuchen
    Ich habe von einer Bekannten meiner Mama, die auch Grundschullehrerin ist, die Idee übernommen, dass jedes Kind an seinem Geburtstag einen Hut aus der Hütebox aussuchen darf. So ist beim Kind auch optisch für alle erkennbar, dass heute etwas besonderes ist. Das Kind hat dabei die Auswahl zwischen verschiedenen Hüten, z.B. Weihnachtsmannmütze, Piratenhut, Cowboyhut, Zylinder, Haarreif mit Bommeln, Feuerwehrhelm, Krone und vielem mehr. Während das Kind sich den Hut aussucht, kommen wir in den Sitzkreis zusammen.


    2) Das Kind erzählt von seinem Tag und wir singen ein Lied.
    Abhängig davon, wie der Geburtstag zuhause gefeiert wird, erzählen die Kinder unterschiedlich ausführlich von ihrem Tag, Ich finde es wichtig, dass jedes Kind zumindest den Raum bekommt um zu erzählen und sich zu freuen und gleichzeitig bekommen die Kinder mit, wie verschieden Geburtstage gefeiert werden.
    Dann singen wir gemeinsam ein Lied für das Geburtstagskind. Wir wechseln dabei zwischen „Happy Birthday to you“, „Zum Geburtstag viel Glück“ und „Wie schön, dass du geboren bist“.


    3) Gratulieren im Tunnel des Glücks
    Mir ist es ein Anliegen, dass zum Geburtstag alle Kinder dem Geburtstagskind gratulieren und nicht nur eine kleine Auswahl an Kindern (z.B. nur drei Kinder). Dahinter steckt für mich der Gedanke, dass es
    a) einfach höflich ist, am Geburtstagstag zu gratulieren
    b) man auch einem Kind, das nicht zum engen Freundeskreis gehört, an so einem besonderen Tag
        etwas nettes sagen kann


    Wir gratulieren dem Geburtstagskind im sogenannten „Tunnel des Glücks“. Den Namen kennen die Kinder vom Programm „Stark auch ohne Muckis“, an dem wir in der 3. Klasse teilgenommen haben (unbezahlte Werbung: Ausbildung Kinder- & Jugendcoach: Stark auch ohne Muckis).
    Dazu stellen sich immer zwei Kinder gegenüber und heben ihre Hände hoch. Das gegenüberstehende Kind legt seine Handflächen auf die des Partners, sodass eine Art Dach entsteht. Durch diesen Tunnel geht das Geburtstagskind. Sobald es an einem Kind vorbeigeht, flüstert dieses einen Geburtstagswunsch oder nette Botschaft in das Ohr des Geburtstagskindes.

    Wichtig:
    Vorher sollte man mit den Kindern unbedingt besprechen, dass hier wirklich nur nette Sachen gesagt werden dürfen. Falls einem Kind nichts einfällt, gratuliert es einfach mit einem „Alles Gute, xy“.

    Zum Ende läuft das Geburtstagskind noch einmal durch den Tunnel zurück und ihm wird dabei zugejubelt, geklatscht und der Name gerufen. Dann setzen sich alle auf ihren Platz.


    Geschenke?

    Bei mir gibt es keinen Hausaufgabengutschein, Geschenke oder eine Schatzkiste, aus der sich das Geburtstagskind etwas aussuchen können. Auch wenn kleine Geschenke wie ein Spitzer, bunter Bleistift, Sticker, … nicht viel Geld kosten, finde ich doch, dass es sich „läbbert“, wie wir in Franken sagen. Sprich: es summiert sich und steht für mich nicht im Verhältnis zum „Nutzen“. Auf Hausaufgabengutscheine verzichte ich generell, weil ich in einem Psychologieseminar gelernt habe, dass man mit Hausaufgabengutscheinen suggeriert, dass Hausaufgaben etwas Schlechtes sind. Leider kommen die Kinder oft bereits vorgeprägt aus der zweiten Klasse und sind Hausaufgabengutscheine an Geburtstagen oder bei gutem Verhalten gewohnt, aber da bleibe ich bei mir und stehe drüber, wenn es anfangs Frust gibt.

    Mir ist viel wichtiger, dass dem Kind ehrlich und von Herzen gratuliert wird und es Raum bekommt für seinen besonderen Tag.
    Ein Zuckerl gibt es aber – und zwar darf sich das Kind in der nächsten Sportstunde das Aufwärmspiel aussuchen.

    Meine Erfahrung:
    Ich habe mir zu Beginn des SchuljahresZeit genommen, um zu erklären, wie wir Geburtstag feiern. Anfangs waren einige Kinder verwundert, dass es kein Geschenk gibt und auch zu keiner Zeit einen Hausaufgabengutschein. Doch schon nach kurzer Zeit konnten sie es voll und ganz annehmen. Gerade die Hüte empfinden sie als etwas ganz Besonderes und genießen es auch, das Sportspiel zu bestimmen und Selbstbewusstsein im Tunnel des Glücks zu tanken.

     

    Wie feierst du den Geburtstag eines Kindes in deiner Klasse?

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