• Haltungsfragen

    Hausaufgabengutscheine

    Ich habe es bereits erwähnt, als ich dir von meinem Geburtstagsritual erzählt habe und es ist tatsächlich so: Ich habe keine Hausaufgabengutscheine.

     

    Hintergrund meiner Entscheidung ist ein Psychologie-Seminar, das ich noch zu Unizeiten besucht habe. Dort hat unser Professor erklärt, dass Gutscheine oder Befreiungen von etwas, immer suggerieren, dass das die Sache etwas negatives ist.


    So impliziert ein Hausaufgabengutschein, dass Hausaufgaben nervig sind und man heute endlich mal frei hat von der lästigen Pflicht. Da ich vorrangig in Klasse 3 und 4 unterrichte, kommen die Kinder natürlich nicht ungeprägt zu mir, schließlich haben sie schon zwei Schuljahre hinter sich. Und leider haben sie in dieser Zeit schon die Einstellung übernommen, dass Hausaufgaben etwas Überflüssiges oder Negatives sind. 

    Schade eigentlich – denn Hausaufgaben könnten für eine Regelklasse, die spätestens um 13.00 Uhr aus hat auch als etwas ganz Alltägliches angesehen werden – wie essen und Freunde treffen.

    Der Gegenwind der Kinder ist daher anfangs natürlich da: diese strengere Lehrerin verteilt keine Hausaufgabengutscheine. Ist die aber gemein!

    Natürlich war auch bei mir die Überlegung:
    1) Die Kinder kommen oft schon mit einer negativen Überzeugung von Hausaufgaben in meine Klasse. Was bringt es also, dass ich versuche, Hausaufgaben als nichts Schlechtes zu vermitteln?


    2) Es ist anstrengend, den anfänglichen Gegenwind der Kinder auszuhalten, die natürlich zu recht jammern, dass ihnen dieses Privileg nun abhanden gekommen ist.

    Doch auch hier geht es wieder um Haltung – es geht mir um meine Haltung!
    Vielleicht kann ich die Ansicht über Hausaufgaben nicht ändern, aber ich habe meinen Beitrag versucht, dass Hausaufgaben nicht als negativ angesehen werden. 
    Und ja, anfangs ist das für die Kinder ungewohnt. Doch anfangs der 3. Klasse ist so viel anders, schließlich steht eine ganz neue Lehrperson vor den Kindern. Und wenn die Gewöhnungsphase erst einmal vorbei ist und die Kinder merken, dass man ihnen zugewandt ist, ehrlich und vertrauensvoll gegenübersteht, dann akzeptieren sie einen mit all seinen Eigenheiten – und seien es die fehlenden Hausaufgabengutscheine. 

    Ferner noch ein weiterer Grund für meine Entscheidung gegen Hausaufgabengutscheine: Ich finde ich es sehr hinderlich, wenn Kinder ihren Hausaufgabengutschein für Hausaufgaben nehmen, die ihnen schwer fallen. Man muss sich auch einmal durch schwierigere Aufgaben durchbeißen, ohne dafür gleich eine Ausweichoption in Form eines Hausaufgabengutscheins zu haben. 

    Problematisch finde ich es, wenn positives Verhalten von Kindern mit Hausaufgabengutscheinen belohnt werden. Doch dazu liest du am besten meinen Blogbeitrag zum Thema Belohnungssysteme.

     

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