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    Diktate

    Ich schreibe in meiner Klasse keine benoteten Diktate. In der Probe kommt zwar ein Lernwörterdiktat vor, das ich schrittweise auf ein Satzdiktat ausweite. Doch Diktate im herkömmlichen Sinn nutze ich nur zur Übung. 

     

    Die Gründe dafür sind dreierlei:

     

    1) Ich finde, dass das wöchentliche Schreiben von Diktaten, wie es früher oft im Unterricht üblich war, gibt der Rechtschreibung einen Stellenwert, der nicht ganz berechtigt ist. Ich verfolge auch hier den Ansatz von Beate Leßmann, dass Rechtschreibung lediglich eine dienende Funktion für das Verfassen und Präsentieren von Texten hat. Rechtschreibung hilft, um einen Text besser lesen und verstehen zu können. 

     

    2) Kinder, die Probleme beim richtigen Schreiben von Wörtern haben, bekommen bei einer wöchentlichen Durchführung von Diktaten ihr Versagen auf dem Silbertablett serviert. Wie soll ein Kind, das jede Woche ein mangelhaftes, fehlerdurchwebtes Diktat zurückbekommt, Freude am Schreiben entwickeln? Wie kann ein Kind, das jede Woche einen Rückschlag erlebt, Selbstbewusstsein entwickeln?

     

    3) Benotete Diktate machen es schwer bis nahezu unmöglich, Erfolge – so klein sie auch sein mögen – zu würdigen. So ist es völlig egal, ob ein Kind 30 oder 15 Fehler macht – das Ergebnis, also die Note bleibt gleich. 

     

     

    Ich habe mich daher dazu entschieden, immer mal wieder eine kleine Einheit an Übungsdiktaten zu schreiben. Eine Einheit besteht dabei in der Regel aus 4 Diktaten. Um Lernfortschritte gut sichtbar zu machen, haben die Diktate einer Einheit die identische Anzahl an Wörtern.

     

    So umfasst eine Einheit z.B. vier 50 Wörter-Diktate. Diese schreibe ich in einem zeitlichen Rahmen von 2-3 Wochen.

     

    So gehe ich vor:

    1) Ich diktiere erst den ganzen Satz und spreche ihn dann in Teilen und wiederhole die Teile.

     

    2) Die Kinder lassen jede zweite Zeile frei.

     

    3) Am Ende lese ich das gesamte Diktat noch einmal vor.

     

    4) Nach jedem Diktat kontrollieren die Kinder selbstständig mit der Lösung und markieren falsche
        Wörter und bessern sie aus, indem sie es in die freie Zeile darunter schreiben. Ich gehe derweil
        herum und achte auf die „Pappenheimer“, die Schwierigkeiten haben, eigene Fehler zu erkennen
        oder dazu neigen, zu oberflächlich zu gucken. 

     

    5) Die Kinder werten ihr Ergebnis im Einschätzungsbogen aus. Dort schreiben sie auf, wie viele 
        Wörter sie richtig haben. Das ist für alle Kinder bestärkend, da diese Zahl immer größer ist als
        die Anzahl an falschen Wörtern, auch bei Kindern mit LRS. Dann schreiben sie auf, wie viele 
        Wörter falsch waren. Zuletzt malen sie bis zu dem Feld an, das die richtige Anzahl an richtigen 
        Wörtern anzeigt. Diese Skala zeigt auf einen Blick das Ergebnis und den eventuellen Fortschritt 
        des Kindes. 

     

     

    Hier kannst du dir  Übungsdiktate herunterladen und auch das AB zum Eintragen des Übungsfortschrittes holen. Ich wünsche dir viel Erfolg beim Ausprobieren. 

     

    Wie handhabst du den Umgang mit Diktaten und welche Erfahrungen hast du gemacht? Schreibe gerne einen Kommentar und lass uns in den Austausch kommen! Danke für deine Offenheit 🙂 

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